Das Dorf im 19. Jhd.

In dieser Zeit wird das Dorf noch immer als Marktflecken bezeichnet. Für die Darstellung der Lage im Dorf ist als hauptsächliche Quelle die Kirchengalerie Sachsens, speziell der Band „Die Inspektion Oschatz ..." anzusehen.

In dieser Zeit entstand die Eisenbahnlinie Leipzig-Dresden, welche an unserem Dorf in einiger Entfernung vorbeiführte. Zeitweise musste Calbitz über einhundert Arbeitern Nachtlager geben (1837). 1839 war die Bahnlinie fertig und die ersten Züge rollten auf der noch eingleisigen Strecke. Durch die Eisenbahn wurde mancher Verkehr von der Straße genommen. Die Jahre der Postkutsche waren gezählt.

Auch der Frachtverkehr nahm allmählich ab. Trotzdem konnten Gewerbe und Gasthöfe weiterhin von der Straße leben.

brauerei 7 k

In der Mitte des vorigen Jahrhunderts gab es allein vier Gasthöfe, eine Garküche und noch zwei weitere Schenken. Das Rittergutsbrauhaus braute ein gutes Bier aus dem Wasser des Altenhainer Baches! Das Handwerk war vertreten durch Barbier, Schmied, Rad- und Stellmacher, Tischler, Glaser, Zimmerleute, Böttcher, Maurer, Schneider, Schuhmacher, Leineweber, Bäcker, Fleischhauer, Seiler, Korbmacher, Zeugarbeiter, Sattler und Mechanikus. Eine so große Vielzahl von Handwerkern befriedigte natürlich auch den Bedarf der Nachbarorte und konnte höchstwahrscheinlich nur durch die günstige Lage an der Straße existieren.

Die Landwirtschaft des Dorfes hatte etwa dreißig Pferde, etwa 50 Zugochsen und etwa 150 Kühe. Die Landflächen wurden in Scheffeln angegeben. Scheffel war nicht nur Hohlmaß für Schüttgüter, sondern auch ein deutsches Flächenmaß. In Sachsen war ein Scheffel 27,7 a. Rittergut und Bauern besaßen tausend Scheffel Feld, 200 Scheffel Wiesen, 450 Scheffel Holz, 50 Scheffel Gras- und Baumgärten, 60 Scheffel Communeholz und einen Communeanger.

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Im „Seiff" gab es noch Wiesen mit Torf. Den Name „Seiff“ für den Teich, Wiesen, Felder und Wald südöstlich vom Dorf gelegen, könnte man so erklären, dass vielleicht dort früher nach Gold gesucht wurde, denn „seifen" heißt Gold waschen. Aber dies ist nur eine Vermutung.

1868 passierte im Seiffteich das wohl bedauerlichste Unglück. Calbitzer Kinder hatten auf den Feldern am Teich Steine gelesen. Danach gingen sie baden. Plötzlich rief eines von ihnen um Hilfe. Bei dem Versuch, es zu retten, kam das zweite Kind ums Leben. Auch einem dritten Kind misslang die Hilfe. Alle drei Kinder ertranken. Sie stammten aus einer Familie.

Die Schule Calbitz hatte um 1850 ca. 200 Schulkinder, welche von einem Hauptlehrer und einem Hilfslehrer unterrichtet wurden. Große Feuersbrünste wie in den vorhegenden Jahrhunderten gab es in Calbitz im 19. Jahrhundert auch noch einmal. 1831 brannten 36 Güter, kleinere Wirtschaften und Wohnungen von Häuslern ab.

Im Dorf gab es zeitweise vier Mühlen. Eine alte Wassermühle war die sogenannte Hebeymühle. Sie stand dort, wo heute das Grundstück der Familien Riegel, Laure und Fuhrmann ist. Den Namen kann man nicht deuten, obwohl ich in einer Niederschrift einmal die Bezeichnung Heuwegmühle fand. Den Mühlgraben, vom Altenhainer Bach abgeleitet, kann man noch heute in der Fuchsdelle erkennen.

Im 2. Weltkrieg wurde der trockene Mühlgraben zum Splitterschutzgraben ausgebaut. 1838 wurde in unmittelbarer Nähe, östlich vom heutigen Grundstück Schelbert, eine neue Windmühle erbaut. Sie hat hier bis 1881 gestanden. 1881 kaufte sie ein Windmüller Keil von dem damaligen Besitzer Grundmann. Der Käufer riss sie ab und baute sie auf Malkwitzer Flur, wo heute die Schule steht, wieder auf. Deshalb auch die Bezeichnung Müllerberg. 1905 brannte sie ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Auf dem Sandberg stand ebenfalls eine Bockwindmühle, genannt Sandmühle. Sie soll schon Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts dort gestanden haben, wahrscheinlich östlich der heutigen Straße Calbitz-Collm. Ende der sechziger Jahre wurde sie abgebrochen und in die Gegend von Meißen verkauft. Die älteste Wassermühle ist die Sandmühle, welche seit 1936 im Besitz der Familie Röhrborn ist. Das Alter der Wassermühle ist nicht mehr feststellbar, sie hat einst zum Rittergut Kötitz gehört.

Einen Friedhof, den sogenannten Sankt-Nikolai-Friedhof gab es vor etwa 150 Jahren bei den sogenannten Vierhäusern am Ende des Dahlener Weges.

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Der Collmberg wurde in dieser Zeit neu bepflanzt, wie ein Stich von 1840 beweist. Etliche Calbitzer Einwohner arbeiteten im Wald. Andere Calbitzer sollen Holzhandel getrieben haben.

(Quelle: Calbitz am Collm 1292-1992, von Siegfried Heidler)